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Lauenburgische Burgen

Burgen und Ringwälle im Lauenburgischen

Die Blütezeit der Burgen war das Mittelalter, also in etwa die Zeit zwischen 500 – 1500 n.Chr. Im Mittelalter wurde die überwiegende Zahl der Burgen erbaut, so auch die Burgen im Lauenburgischen. Bei der Bezeichnung “Burg” werden die meisten Bewohner des Lauenburgischen mehr oder weniger weit entfernte Regionen vor Augen haben. Wahrscheinlich hat man bei diesem Thema sofort auch eine spezielle und prachtvolle (Höhen)Burg im Blick. Die Wenigsten von uns werden bei diesem Thema etwa an eine Burg im Lauenburgischen denken. So mancher wird sich vielleicht auch eher wundern, denn über Burgen im Lauenburgischen ist relativ wenig bekannt. Fachkundige Einschätzungen gehen davon aus, dass es hier im Laufe der Zeit wohl über einhundert Burgen gegeben haben könnte. Dies ist zunächst sehr überraschend, denn nur wenige Ortsnamen deuten noch heute auf das frühere Vorhandensein einer Burg hin, wie z.B. Ratzeburg oder Lauenburg. Doch gab es hier tatsächlich richtige Burgen in einer solchen Anzahl? Ist denn heute noch etwas davon zu sehen? Zunächst wäre die spannende Frage zu beantworten, was denn eine Burg überhaupt ist. Definitionen gibt es viele, Sichtweisen auch. Für unsere rein volkstümlichen Zwecke kann eine Burg vereinfacht als Wehrbau bezeichnet werden, der zugleich auch häufig Wohnzwecken diente.

Doch Burg ist nicht gleich Burg. Unterscheiden kann man diese nach verschiedenen Gesichtspunkten. Ein erster Ansatz wäre zu schauen, welchem Ziel die Erbauer ihre Burg verschrieben haben könnten. Ein weiterer Ansatz ergäbe sich vielleicht aus der Betrachtung der jeweiligen topografischen Situation. Hiernach könnte eine Unterteilung nach sogenannten Höhen- und Niedderungsburgen mit jeweils diversen Unterarten vorgenommen werden. So wären z.B. Gipfel- und Hangburgen typische Vertreter der Höhenburgen. Die Wasserburg, die Inselburg aber auch die überwiegende Anzahl der Turmhügelburgen wären eher typische Vertreter der Niederungsburgen. Nun kommen wir der Sache schon näher. Höhenburgen wird es im Lauenburgischen nicht häufig gegeben haben können, ist doch auf unseren höchsten natürlichen Erhebungen selbst, wie z.B. in Niendorf a.d.St. oder bei Albsfelde, weit und breit nichts von einer Burg zu sehen Nur vereinzelt können also solche Höhenburgen auch im Lauenburgischen vorgekommen sein. Als ein Beispiel für eine solche Höhenburg sollte uns die slawische und mittelalterliche Burganlage auf der Marienhöhe in Farchau[1] dienen. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass wir es in unseren Breiten eher mit sogenannten Niederungsburgen zu tun gehabt haben. Ein typischer Vertreter der Niederungsburg ist – wie schon beschrieben – die Turmhügelburg. Die Turmhügelburg wird häufig im Sprachgebrauch auch als Motte bezeichnet. Der Begründer der wissenschaftlichen Burgenforschung, der Jurist Otto Piper, sah die Bezeichnung Motte – entgegen vieler anderslautender Darstellungen – als nicht folgerichtig an[2]. So wies er darauf hin, dass er keinen geschichtlichen Zusammenhang in der Entwicklung zwischen dem französichen châteaux à motte und den deutschen Turmhügelburgen feststellen konnte. Vielmehr vertrat er die Auffassung, dass es sich bei den motten-ähnlichen Burgen im Grunde um eine kleine Art von Wasserburg handeln würde [3]. Wir müssen es aber auch nicht zu genau nehmen und bleiben einfach bei dem üblicherweise genutzten Begriff der Motte.

Als Baumaterial musste herhalten, was gerade da war. Die Trumhügelburg bestand in unseren Breiten daher überwiegend aus Holz und wurde auf einem künstlich angelegten Hügel erbaut (im Gegensatz zur Hügelburg, die ja auf einem natürlichen Hügel angelegt wurde).

In Lütjenburg (Kreis Plön) haben engagierte Menschen eine solche Turmhügelburg in bewundernswerter Weise rekonstruiert. Eine tolle Sache. So hat sich dort ein Verein gegründet, der auch eine spannende Webseite betreibt. Der Verein nennt sich: Gesellschaft der Freunde der mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e.V. Hut ab vor soviel Engagement. Der Nachbau einer Turmhügelburg in Lütjenburg:

Turmhügelburg in Lütjenburg

Turmhügelburg in Lütjenburg

Rund um die Turmhügelburg befand sich häufig ein Wassergraben. Genau deshalb vertrat ja Pieper auch die Auffassung, dass es sich bei den Motten eher um Wasserburgen handeln würde. Oft war der Turmhügel auch von Sumpf umgeben. Dies ist bei einigen von mir besuchten Anlagen (z.B. Kehrsen, Borstorf, Koberg )noch deutlich zu sehen oder zumindest zu ahnen. Meist bestanden diese Anlagen aus der Kernburg (Turm auf Hügel) und einer oder mehrerer Vorburgen (z.B. Burg am Rebbenbruch in Borstorf). In diesen Bereichen waren dann häufig auch die Wirtschaftsgebäude zu finden.

Auch so manche slawische Burganlage läßt sich noch heute in der Landschaft erkennen. Nachfolgend sehen sie ein Foto einer noch sehr schön erhaltenen Wallanlage aus unserer Region:

Beispiel für einen Ringwall

Beispiel für einen Ringwall

Im Laufe der Zeit habe ich so einige der im Lauenburgischen gelegenen Anlagen aufsuchen können. Einige Aufnahmen können hier nun angesehen werden. Es handelt sich dabei überwiegend um abgegangene Burgen oder Ringwälle, die auch in der einschlägigen Literatur (Hofmeister, Kersten, Struve, Dähn) als solche angenommen werden. Eine Besonderheit stellt die Anlage Burgstedt auf dem Gut Wotersen dar. Hierbei handelt es sich nicht um eine mittelalterliche Wehranlage. Vielmehr stammt sie aus dem 16. Jahrhundert, also der Renaissance, der Übergangsepoche zwischen Mittelalter und Neuzeit.

Angaben zur Lage der Objekte habe ich aus bestimmten Gründen nur an den Stellen gemacht, wo diese ohnehin bereits öffentlich und somit allgemein bekannt und zugänglich sind. In allen anderen Fällen habe ich von genaueren Lageangaben abgesehen. Im Übrigen erteilen die Denkmalschutzbehörden ggf. weiterführende Auskünfte.

Die Veröffentlichung der “Burgen-Bilder” erfolgt mit Zustimmung der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Herzogtum Lauenburg.

1 Struwe,1981, 103-105

2 Piper, 115-118

3 Piper, 115

Anmerkung:

Dem am Thema Interessierten kann ich das folgende Buch sehr empfehlen: Dähn, Arthur: Ringwälle und Turmhügel: Mittelalterliche Burgen in Schleswig-Holstein. Husum, Husum Druck und Verlagsgesellschaft mbH, 2001

Es handelt sich um einen prächtigen Bildband mit vielen Informationen zu den einzelnen Objekten. Nach meinem Kenntnisstand ist es derzeit das einzige Werk, welches einen ersten Überblick über viele Burgen und Ringwälle in Schleswig-Holstein bietet. Der Autor, Herr Leitender Baudirektor a.D. Arthur Dähn, Hamburg, hat sich nach dem Krieg hohe Verdienste beim Wiederaufbau der Stadt Hamburg erworben. So wirkte er bis zu seiner Pensionierung maßgeblich beim Bau von ca. 350.000 Wohnungen mit und trug damit wesentlich zur Stadterneuerung Hamburgs bei. Herr Dähn verstarb im Jahr 2004 im Alter von 96 Jahren.